Blockchain in der Energiewirtschaft

Anwendungs­bereich

Die Blockchain-Technologie wurde im Finanzsektor als Grundlage der Kryptowährung Bitcoin entwickelt. Auch in anderen Industrien wird Blockchain bereits erfolgreich verwendet.

Mögliche Anwendungen in der Energiewirtschaft

In der Energiewirtschaft geht es – anders als im Finanzbereich – nicht nur um Transaktionen von Werten und Informationen, sondern zusätzlich um ein physisches Produkt (z.B. Strom oder Wärme) und den Handel von Energie über eine Netzinfrastruktur. Eine wesentliche und grundlegende Anwendung ist die Entwicklung eines dezentral gesteuerten Transaktions- und Energieliefersystems.

Die Blockchain-Technologie bietet vor allem im Verteilernetz neue Geschäftsmöglichkeiten und bringt Vorteile für die Endkunden. Mit der Einführung von Mieterstrommodellen auf dem österreichischen Energiemarkt wird der direkte Stromaustausch zwischen Kunden erstmals ermöglicht, allerdings regional nur eingeschränkt. Für den Energiemarkt existieren weltweit bereits erste Anwendungen der Technologie, der umfangreiche Einsatz setzt jedoch die Entwicklung einer Hochleistungs-Blockchain voraus. Aufbauend auf der Sensor- und Automatisierungstechnik sind die grundlegenden Bausteine für ein Blockchain-basiertes Energiesystem u.a. Smart Meter, Smart-Devices- bzw. Smart-Home-Anwendungen sowie Smartphone-Apps.

Mögliche Anwendungen:

  • Dezentral gesteuertes Transaktions- und Energieliefersystem auf Basis von Smart Contracts
  • Peer-to-peer-Energiehandel, z.B. im Rahmen von Mieterstrommodellen
  • Clearing-Prozesse im Energiehandel
  • Ablesung und Abrechnung im Bereich Strom- und Wärmelieferung
  • Abrechnungssystem für Prepaid Smart Meter
  • Abrechnungs- bzw. Entlehnsysteme in den Bereichen E-Mobilität, Smart Home und Smart Devices
  • Asset Management, z.B. Register über Eigentumsverhältnisse und Anlagenzustand
  • Echtheitsnachweise und Zertifizierungen für Ökostrom und CO2-Zertifikate
  • Stabilisierung des Stromnetzbetriebs bzw. Reduktion netzstabilisierender Notmaßnahmen (Redispatch, Netzreserve, Einspeisemanagement)

Chancen und Risiken der Blockchain

Vor dem Hintergrund der Digitalisierung, Dekarbonisierung und Dezentralisierung der Energiewirtschaft bietet die Blockchain-Technologie Prosumern und Verbrauchern neue Möglichkeiten, an dem Energiesystem der Zukunft aktiv teilzunehmen. Auch für etablierte Akteure eröffnen sich neue Geschäftsfelder und Chancen, bestehende Prozesse zu optimieren.

Die Vorteile der Blockchain-Technologie:

  • Hohe Datensicherheit und Datenintegrität.
  • Automatisierung von Geschäftsprozessen und grundsätzliche Vereinfachung von Transaktionen (Dokumente, Verträge, Bezahlung).
  • Senkung der Transaktionskosten durch Umgehung von Intermediären.
  • Erhöhte Produktvielfalt und Flexibilität des Endkunden, z. B. beim Anbieterwechsel.
  • Stärkung des Prosumers durch Unabhängigkeit von einer zentralen Instanz (direkter Kauf und Verkauf von Energie).

Als junge Technologie steht die Blockchain-Technologie derzeit noch vor einigen Herausforderungen, deren Lösung die Voraussetzung für eine breite Anwendung in alltäglichen Transaktionen ist. Grundlegende Skalierungsthemen müssen diskutiert werden, u. a. wie die Vertraulichkeit von (Kunden-) Daten auf einer Blockchain gewahrt werden kann, ohne dass auf IT-Sicherheit, Geschwindigkeit und Durchsatz verzichtet werden muss.

Noch zu klärende Fragestellungen:

  • Privacy von (Kunden-) Daten
  • Anzahl der Transaktionen limitiert, beschränkte Skalierbarkeit
  • Reduktion der Transaktionskosten und des hohen Energieverbrauch bei öffentlichen Blockchains
  • Gesetzliche und regulatorische Rahmenbedingungen, z.B. Definition der Marktrollen, Einrichtung einer Schlichtungsstelle bei Konflikten
  • Funktionale Schwächen und Sicherheitsrisiken aufgrund fehlender Schnittstellendefinitionen und Standards (z.B. Übergang von der realen Welt in die digitale Blockchain-Welt via Smart Meter)
  • Risiken aufgrund fehlender Langzeiterfahrungen
  • Change Management für Smart Contracts

Die Zukunft der Blockchain liegt in der Weiterentwicklung von Smart Contracts zu dezentralen Organisationseinheiten, die nach eigenen Gesetzmäßigkeiten funktionieren und einen hohen Autonomiegrad besitzen. Zentrale Erfolgsfaktoren werden die Herstellung der Interoperabilität zwischen öffentlichen und privaten Blockchains sowie die Verknüpfung von Blockchains aus (Energie-, Banken-, Versicherungs-, Gesundheits- und Automobilbranche). Weitere Informationen dazu finden Sie in der BDEW-Studie zur Blockchain in der Energiewirtschaft.

Weitere Informationen unter:

Smart Grids Austria

Teilen

Kontakt