Die Zukunft der Automobilindustrie: vier Schlüsseltrends

Im "Automotive Manager 2017" analysiert das Team von Oliver Wyman Strategieberatung die Herausforderungen und Chancen für Automobilunternehmen und identifiziert dabei vier Trends für die Branche: Fahrerassistenzsysteme, E-Mobilität, Big Data und der Kampf um Patente.

1. Fahrerassistenzsysteme:

Die Analysten gehen davon aus, dass im Jahr 2030 mindestens die Hälfte aller Autos mit fortschrittlichen Assistenzsystemen ausgestattet sein werden. Für die Kunden werden diese Innovationen beim Kauf eines Neuwagens immer selbstverständlicher. Für die Hersteller aber könnten sich die Systeme als im Zweifelsfall anfällige Achillesferse ihres Produkts Auto erweisen – denn mit der Leistungsfähigkeit der Fahrzeuge steigt auch ihre Komplexität. Die Komplexität der Systeme erhöht sich bereits seit Jahrzehnten. Damit einher geht aber auch die Sicherheit im Straßenverkehr: „Selbstfahrende Fahrzeuge werden wesentlich zur Vermeidung von Unfällen beitragen,“ so Josef Affenzeller, Koordinator für nationale und internationale Forschung bei der AVL List GmbH in Graz.

2. E-Mobilität:

Bei der E-Mobilität schlummern laut Oliver Wyman-Beratung noch bedeutende Unsicherheiten und damit Risiken für die Automobilindustrie. Dabei geht es weniger um technische Entwicklung und Umsetzbarkeit, sondern um die regulatorischen Rahmenbedingungen in den einzelnen Ländermärkten. So treiben etwa Norwegen und China die Elektromobilität mit starken staatlichen Anreizsystemen deutlich nachdrücklicher voran als Deutschland. Aus diesem Grund aber seien konkrete Berechnungen für die Marktentwicklung schwierig, die Einschätzungen von Beobachtern variieren stark. Für die Fahrzeughersteller bedeutet dies: Sie brauchen zum einen eine valide Strategie, um im aktuellen, noch von Verbrennungsmotoren beherrschten Marktumfeld erfolgreich zu sein. Zum anderen müssen sie sich laut Experten wappnen für die Veränderungen des Marktes, da die E-Mobilität rasant an Fahrt gewinnt.

3. Big Data:

Das Erfassen, Analysieren und Übermitteln von während der Fahrt gewonnenen Daten kann für die Automobilunternehmen zu einer zusätzlichen Einnahmequelle von 500 bis 1.000 Euro pro Auto werden – so die Analysten. Um diesen Umsatz zu heben, müssten sich die Hersteller jedoch entsprechend aufstellen. Denn im Hintergrund lauern junge, agile und ausschließlich auf Big Data spezialisierte Unternehmen, um den Etablierten dieses Geschäft streitig zu machen.

4. Kampf um Patente:

Ein Blick auf nüchterne Zahlen verdeutlicht, wie dramatisch sich die Automobilindustrie auch strukturell verändert. Im Zusammenhang mit dem autonomen Fahren wurden zwischen 2012 und 2016 fast 1.200 Patente registriert. An der Spitze steht Audi mit 223 Patenten, an zweiter Stelle folgt aber ein Akteur, der nicht aus dem Automobilbau stammt: Google mit 221 Patenten. Das gerade zwei Jahrzehnte junge Internetunternehmen meldete damit mehr Patente an als BMW (198) und Daimler (159) und sogar mehr als General Motors (141) und VW (75) zusammen. Mehr als ein Drittel der Patente zum autonomen Fahren wurden von Hightech-Unternehmen geltend gemacht. Neben Google waren es Apple, Facebook, Microsoft, Amazon und Uber. Hier erkennt man das Zusammenfließen von physischer und IT-Welt. Die Österreichische Industrie hat hier klare Stärkefelder, die besser genutzt werden könnten.