Data Market Austria: „Kann weltweit ein Vorzeigeprojekt werden“

Allan Hanbury arbeitet an der TU Wien und leitet das Data Science Research Studio der Research Studios Austria FG.

Erstmals wird in Österreich eine Infrastruktur für die kommerzielle Nutzung von  Daten vorbereitet. Österreich steht datenmäßig gut da, so Projektleiter Allan Hanbury.

Data Market Austria ist ein von der FFG gefördertes Forschungsprojekt, das in Österreich das „Geschäft mit den Daten“ auf eine neue Ebene  heben und neue Impulse setzen soll. Was genau sind die Forschungsbereiche von DMA?

Es gibt zwei große Bereiche, auf die sich Data Market Austria konzentriert: Der eine Bereich ist die Arbeit an der technischen Infrastruktur, der andere ist die Datenwirtschaft. Auf technischer Seite versuchen wir, eine Infrastruktur bereitzustellen, die es ermöglicht, kontrolliert – im Sinne von wer wann und wie die Daten benutzen darf – Daten zur Verfügung zu stellen. Auf der wirtschaftlichen Seite geht es um rechtliche Fragen, um Geschäftsmodelle und darum, eine Community aufzubauen und neue Mitglieder zu  gewinnen.

Wie kann man sich die technische  Infrastruktur vorstellen? Als eine Suchmaschine für Datensätze?

Fast. Es gibt bereits sehr viele Daten, aber es fehlt eine gemeinsame Plattform, die gesammelt Informationen bereitstellt. Aber die Infrastruktur soll auch weitere Services wie den kontrollierten Datenzugang mit Smart Contracts möglich machen. Zusammenführen wollen wir die Daten nicht,  aber sie sollen transparent und interoperabel gemacht werden.

Welche Informationen stellen Sie über die Datensätze zur Verfügung?

Wir erstellen derzeit Richtlinien für Metadaten, die über die Daten angegeben werden müssen, zum Beispiel:  Wer ist der Eigentümer, in welcher Form können die Daten bereitgestellt werden, in welcher Qualität sind sie verfügbar, wie viel kosten sie, welche Daten sind genau verfügbar, unter  welchen Bedingungen können die  Daten verwendet werden? Damit ist  für alle genau klar, was ich mit diesen Daten machen kann und darf.

Ist es schwer, in Österreich an qualitativ brauchbare Daten zu kommen?

 Österreich ist schon ziemlich weit vorne mit den Daten, die erhoben werden, vor allem bei den verkehrsbezogenen Daten. Auch im Bereich Open Data  ist Österreich ziemlich weit fortgeschritten. Deshalb haben wir mit DMA wirklich die Möglichkeit, weltweit  ein Vorzeigeprojekt aufzusetzen.

Wo gibt es noch Verbesserungsbedarf?

Im Verkehrsbereich wird bereits sehr viel erhoben, aber noch nicht genützt. Aber es gibt bereits große Anstrengungen vonseiten des Ministeriums. Die Verkehrsauskunft Österreich (VAO) ist ein gutes Beispiel – es sind viele Daten da, aber sie werden noch keinem breiteren Anwenderkreis zur Verfügung gestellt. Das kann aber auch durchaus sinnvoll sein, wenn zum Beispiel noch nicht feststeht, dass Geschäftsmodelle mit lokaler Wertschöpfung daraus entstehen. Man will diese Daten ja nicht unbedingt Google oder Uber gratis zur Verfügung stellen.

An wen geben Sie Daten weiter?

Das ist eine Frage, die wir im Projektbereich „Geschäftsmodelle“ behandeln. Wir wollen Templates erarbeiten, wie Geschäftsmodelle aussehen können. Wenn Start-ups oder Firmen in Österreich dann bereit sind, anhand dieser Modelle zu arbeiten, können wir diese in Österreich umsetzen. Wir werden Innovation Spaces anbieten, Virtual Machines in einer Cloud-Infrastruktur, in der Zugriff auf bestimmte Daten möglich ist. Dort können Technik und Geschäftsmodelle ausgetestet werden. Wenn es gut funktioniert, kann  das kommerzialisiert werden.

In welcher Phase wird das im  Projektablauf möglich sein?

 Es ist geplant, Ende 2017 einen Startup-Call auszuschreiben. Mitte des nächsten Jahres sollen diese Projekte bereits mit unserer technischen Infrastruktur arbeiten können. Das ist auch der größte Meilenstein im Projektverlauf. Es muss noch definiert werden,  ob der Call nur für Start-ups oder auch für etablierte Firmen offen sein wird.

 Im Data Market Austria sind Pilotprojekte vorgesehen. Welche sind das?

 Im Mobilitätsbereich wollen wir für Taxis ein Prognosetool entwickeln: Wo und zu welcher Uhrzeit sollen Taxis stehen, damit sie mit höherer Wahrscheinlichkeit Kunden finden. Im Erdbeobachtungsbereich wiederum geht es um Waldschäden. Mithilfe von  Satellitenbildern, Wetterdaten und  Radarbildern sollen Waldschäden  besser vorhergesagt werden können.

Allan Habury

Ist Senior Researcher und Privatdozent an der TU Wien und leitet  das Data Science Research Studio der Research Studios Austria FG. Der gebürtige Südafrikaner ist Koordinator des österreichischen IKT-Leuchtturmprojekts Data Market Austria (DMA). Zu seinen Forschungsinteressen  gehören die Datenwissenschaft, die Informationsgewinnung, die multimodale Informationsabfrage und  die Evaluierung von Suchsystemen und Algorithmen.