Kreislaufwirtschaft: Die größte Ressource ist der Müll

FE-Schredder
Der reine Eisenschredder ist die mengenmäßig bedeutendste Fraktion aus dem Kühlgeräterecycling und gelangt unmittelbar in (Elektro-)Stahlwerken zum Einsatz.

Ende 2015 stellte die EU-Kommission das neue Kreislaufwirtschaftspaket vor. Die europäische Schlüsselinitiative soll dazu beitragen, die Entstehung von Abfall zu minimieren, indem Ressourcen effizienter genutzt werden. Von der Herstellung bis zur Entsorgung werden alle Akteure in die Pflicht genommen.

Vorgesehen sind Maßnahmen in allen Phasen des Lebenszyklus eines Produkts, von der Herstellung und dem Gebrauch über die Abfallbewirtschaftung bis zum Markt für Sekundärrohstoffe: also Maßnahmen zum intelligenten Produktdesign, zur Wiederverwendung und Reparatur von Produkten, zum Recycling, zum nachhaltigen Konsum ebenso wie zur Abfallbewirtschaftung, zu Recyclingraten, zum intelligenten Rohstoffeinsatz und zur Stärkung der Märkte für Sekundärrohstoffe.

„Wir machen uns in Europa für hohe Recyclingstandards stark.“

Marion Mitsch, Geschäftsführerin des UFH

Das wirtschaftliche Potenzial einer realisierten Kreislaufwirtschaft zur Senkung der EU-weiten Ressourcenausgaben – durch Abfallvermeidung, Ökodesign, Wiederverwendung – wird auf bis zu 600 Milliarden Euro jährlich bzw. acht Prozent des Jahresumsatzes aller Unternehmen in der EU geschätzt. Gleichzeitig sollen die Treibhausgasemissionen um bis zu vier Prozent reduziert werden.

Ressourcenverbrauch

Heute entnimmt und verbraucht der Mensch weltweit mit 68 Milliarden Tonnen Material jährlich fast zehnmal mehr als noch im Jahr 1900. Fast die Hälfte der globalen Ressourcenentnahme findet in Asien statt (48 Prozent), gefolgt von Nordamerika (19 Prozent), Europa und Lateinamerika (jeweils 13 Prozent) und Afrika (9 Prozent). Pro Kopf und Tag verbraucht der Österreicher mit 66 Kilo mehr als der europäische Durchschnitt, rechnet das Lebensministerium im Ressourceneffizienz-Aktionsplan vor.

Diese Entwicklung, die Österreich mit den meisten anderen Industrieländern teilt, wirft die Frage auf, wie eine Wirtschaft aussehen könnte, die nicht auf einen steigenden Ressourcenverbrauch angewiesen ist. Daraus ergeben sich große Herausforderungen, die gleichzeitig enorme Chancen für Österreichs Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft bedeuten. „Der Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft bedeutet einen grundlegenden Wandel in der Funktionsweise der Wirtschaft und stellt zweifellos eine komplexe Herausforderung dar“, so Manfred Müllner, stellvertretender FEEI-Geschäftsführer. „Aber es freut uns, dass die Kommission einen marktorientierten Ansatz für die Kreislaufwirtschaft verfolgt.“

Umweltfreundliches Produktdesign

In der ersten Stufe des Produktlebenszyklus – im Produktdesign – beabsichtigt die Kommission, umweltfreundliches Design von Produkten stärker zu fördern, um diese reparatur- und recyclingfreundlicher und langlebiger zu gestalten. „Wir setzen uns dafür ein, dass Hersteller in jedem Fall die Freiheit haben sollten, selbst zu entscheiden, wie sie ihre Produkte entwerfen“, so Müllner. „Die Hausgeräteindustrie arbeitet ständig an innovativen Lösungen, um ihre Produkte ohne gefährliche Stoffe herzustellen und um Recyclingverfahren und die Verwendung von Sekundärrohstoffen zu erleichtern. Das zu gewährleisten, benötigt jedoch mehr Einsatz.“ So wie der Aktionsplan der EU formuliert ist, fokussiere er starr auf umweltgerechte Gestaltung und behindere damit Innovationen.

Elektroschrott wächst am schnellsten

Elektroaltgeräte sind das am schnellsten wachsende Segment im Abfall. Innerhalb der EU fallen jährlich drei bis fünf Prozent mehr Altgeräte an. „Zum einen enthält Elektroschrott Materialien, die schädlich für die Umwelt sein können, wenn sie nicht fachgerecht behandelt werden. Zum anderen bietet fachgerechtes Recycling von Elektroaltgeräten enorme Möglichkeiten, wertvolle Sekundärrohstoffe zu gewinnen und in den Stoffkreislauf zurückzuführen“, erklärt Marion Mitsch, Geschäftsführerin des UFH. Die derzeitige Situation zeigt, dass lediglich 35 Prozent der Elektroaltgeräte in offizielle Sammel- und Recyclingsysteme zurückgeführt werden.

2013 wurden in Österreich 76.836 Tonnen gesammelt, allen voran große Hausgeräte wie Kühlschränke oder Waschmaschinen (31.264 Tonnen) und Computerequipment (16.924 Tonnen). Dies entspricht knapp der Hälfte der auf den Markt gebrachten Produkte. Die gesammelten Geräte werden fast zur Gänze in Österreich wiederverwertet. Mit neun Kilogramm gesammeltem Elektroschrott pro Einwohner rangiert Österreich im europäischen Spitzenfeld.

Das UFH ist ein Qualitätssystem für die Sammlung und Entsorgung von Elektroaltgeräten und engagiert sich als Gründungsmitglied des WEEE Forums (Vereinigung europäischer Sammel- und Verwertungssysteme) auf EU-Ebene stark für einheitliche – und hohe – Recyclingstandards, um die Rückführung von Altgeräten zu optimieren. „Die 27 EU-Länder haben die Richtlinie auf sehr unterschiedliche Weise in nationales Recht umgesetzt. Im WEEE Forum setzen wir uns dafür ein, die Qualität mittels Standards und Zertifizierungen stetig zu verbessern“, so Mitsch.

Qualitätskriterien für Sekundärrohstoffe sind erforderlich, um einen Markt für Recyclingmaterialien zu schaffen und sie zu einem attraktiven Grundprodukt für die produzierende Industrie zu machen. Insbesondere Metallteile wie Aluminium, Kupfer oder Eisen können als Rohstoffersatz in der Industrie genutzt werden. „Wir müssen uns bewusst werden, dass der Müll unsere größte Rohstoffquelle ist.“