Vergabekriterien in Österreich

  • Neben dem Preis spielt primär Qualität eine Rolle.
  • Ausnahme sind Vergaben im Bausektor.

Welche Kriterien kommen bei Bestbietervergaben am häufigsten zum Einsatz? Da das öffentliche Beschaffungswesen sehr heterogene Güter und Leistungen nachfragt, findet in der Praxis eine Vielzahl äußerst unterschiedlicher Vergabekriterien Anwendung. In Österreich allein wurden bei öffentlichen Ausschreibungen über 2.100 unterschiedliche Kriterien herangezogen.

Preis- und Nicht-Preis-Kriterien

Für die Studie des WIFO erfolgte die Zuteilung in Preis- und Nicht-Preis- (oder preisfremde) Kriterien. Unter die zweite Kategorie fallen zum Beispiel Qualität (Funktionalität, Design etc.), Lieferung (Pönale, Abrufbereitschaft, Zeit/Dauer), Service (Wartung, Reparatur, Ersatzteile), Garantie oder Nachhaltigkeit (Umwelt- und Sozialkriterien, Lehrlingsausbildung). Der Preis enthielt Gesamtpreis, Rabatt und Betriebskosten.

Vergabekriterien nach Verfahren

Es bestehen große Unterschiede in der Häufigkeit von Vergabekriterien, abhängig von den nachgefragten Produkten und Leistungen. FMTI-relevante Vergaben zeigen einen unterdurchschnittlichen Wert für Qualität, FEEI-relevante Vergaben eine überdurchschnittliche Häufigkeit beim Service.

Vergaberecht Studie Abbildung 3

Die in Abbildung 3 dargestellten Werte zeigen anhand von sechs Kriteriengruppen die Häufigkeit – ohne Gewichtung –, in der unterschiedliche Vergabekriterien herangezogen werden. Über alle Produktgruppen hinweg zeigt sich, dass neben dem Preis primär Qualität (65 Prozent), gefolgt von Garantie (23 Prozent) und Nachhaltigkeit (18 Prozent) angewandt werden. Service und Lieferungsanforderungen sind in weniger als 10 Prozent der Bestbietervergaben zu finden.

Diese Durchschnittswerte sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sehr große Unterschiede gibt, je nachdem, welche Produkte und Leistungen nachgefragt werden.

Bau: Qualität rückt in den Hintergrund

So sind beispielsweise bei Bauleistungen in fast 72 Prozent der Oberschwellenausschreibungen Garantieund Gewährleistungskriterien zu finden. Andere Kriterien werden weitaus seltener verwendet als in anderen Sektoren. Dies wirkt sich signifikant auf FMTI-relevante Ausschreibungen aus: Qualitätskriterien kommen bei Vergaben für die Maschinen- und Metallwarenindustrie in nur 18 Prozent der Fälle zum Einsatz. Umgekehrt sind Garantiekriterien in überdurchschnittlichen 72 Prozent und Nachhaltigkeitskriterien in 32 Prozent der Fälle vorhanden.

Nachhaltigkeitsindikatoren weniger stark

Die Verwendung preisfremder Kriterien ist in den Sektoren des FEEI grob im österreichischen Durchschnitt aller Sektoren, mit einer Dominanz von Qualitätskriterien (61 Prozent) und Garantiekriterien (30 Prozent). Während Nachhaltigkeitsindikatoren weniger stark betont werden, sind in den FEEI-relevanten Vergaben Servicekriterien von überdurchschnittlicher Bedeutung (11 Prozent).