Europäische Industriepolitik: FEEI fordert vereinte Kräfte

Pressemeldung vom 28.06.2018
Ederer Roitner JPK 2018

Konkurrenzfähig bleiben Dank Digitalisierung

Die Elektro- und Elektronikindustrie ist der Treiber der Digitalisierung und damit auch des Wirtschaftswachstums – auch in anderen Branchen. Gerade in unsicheren Zeiten hat die Industrie gezeigt, dass sie eine solide Basis unserer Volkswirtschaft bildet. Die Zukunft der europäischen Wettbewerbsfähigkeit und des Wohlstands hängen maßgeblich vom High-Tech Sektor ab. Um auch zukünftig eine konkurrenzfähige Industrie sicherzustellen, braucht es aber konkrete Taten. „Aktuell ist keine Rede von fairen Spielregeln: Die bestehenden Rahmenbedingungen bewirken vielmehr einen Ausverkauf von Know-how und lokaler Wertschöpfung. Wir fordern, dass Europa eine offene Marktwirtschaft bleibt, aber dennoch seine Interessen wahrt“, fordert Brigitte Ederer, Präsidentin des Fachverbandes der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI) bei der heutigen Jahrespressekonferenz. „Europa muss nicht nur die Technologien für Digitalisierung beherrschen, sondern es braucht vor allem einen fairen Wettbewerb und verlässliche Partnerschaften“, ergänzt Lothar Roitner, Geschäftsführer des FEEI.

Forschungsförderung auf 160 Mrd. erhöhen und auf Schlüsseltechnologien fokussieren

Halbleiter wie Computerchips oder Leiterplatten gelten als eine der Schlüsseltechnologien für Innovationen der nächsten Jahre. Experten schätzen, dass 30 bis 45 Prozent des europäischen Bruttoinlandsproduktes im Jahr 2020 durch Halbleiter initiert werden. Die Einsatzmöglichkeiten reichen von Anwendungen im Bereich „Internet der Dinge“ bis hin zu intelligenter Mobilität.

Um dieses Potential zu nutzen, braucht es konkrete Schritte: „Während der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft hat unsere Regierung die Möglichkeit, strategische Budget-Entscheidungen zu treffen. Unsere Branche ist 1,5 Mal so groß wie die Landwirtschaft – dass muss sich auch im Budget widerspiegeln“, verlangt Lothar Roitner. „Das neunte Forschungsrahmenprogramm der EU braucht deshalb eine substanzielle Budgetaufstockung und einen stärkeren Fokus auf Schlüsseltechnologien, um Europa zukunfts-fit zu machen. Europa muss im internationalen Wettbewerb um die globale Innovationsführerschaft Prioritäten setzen. Wir schließen uns der Forderung der Industriellenvereinigung an, welche vor kurzem 160 Milliarden gefordert hat“, so Roitner.

Europa vs. China: Faire Bedingungen

Wie auch zuletzt eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung vom Mai 2018 zeigt, sind Technologiefirmen mehr denn je das Ziel chinesischer Investoren. Zudem hat die Europäische Handelskammer in Peking kürzlich eine Studie vorgelegt, in der 62 Prozent der befragten Unternehmen angegeben haben, sie hätten das Gefühl, dass chinesische Firmen in Europa besser behandelt würden als umgekehrt europäische Unternehmen in China. „Im Sinne eines konsequent angewendeten Reziporozitätsprinzips muss auch europäischen Unternehmen derselbe Zugang zu ausländischen Märkten gewährt werden“, erwartet sich Ederer.

Besonders bei Firmenbeteiligungen sollte erhöhte Aufmerksamkeit geboten werden: Aktuell öffnet das europäische Wettbewerbsrecht ausländischen Investoren Tür und Tor, wo europäischen Unternehmen der Zugang verwehrt wird. „Als Maßnahme wäre etwa eine Behörde denkbar, die nach dem Vorbild des Committee on Foreign Investments in the United States (CFIUS) Direktinvestitionen aus Drittstaaten prüft und Technologietransfer ins Ausland unterbindet“, schlägt Ederer vor. Begrüßenswert sei, dass im österreichischen Programm zum Ratsvorsitz die Schaffung eines Rahmens zur Überprüfung ausländischer Direktinvestitionen in der EU zu finden ist. „Hier erhoffen wir uns tatsächliche Fortschritte unter der Ratspräsidentschaft Österreichs“, meint Ederer.

Gesamteuropäische Strategie

Wenn Europa seine Entscheidung, europäische Industriepolitik zu betreiben ernst meint, sind nicht nur Worte, sondern vielmehr Taten gefragt. „Die EU sollte konkret beim Aufbau von notwendigen Produktionen die Initiativ- und Koordinierungsrolle übernehmen – nicht durch wettbewerbsrechtliche oder förderrechtliche Überlegungen behindern“, so Brigitte Ederer abschließend.

Pressetext, Pressefotos, Infografiken sowie Videomaterial finden Sie unter: https://www.feei.at/presse

Der Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie vertritt in Österreich die Interessen des zweitgrößten Industriezweigs mit rund 300 Unternehmen, über 65.000 Beschäftigten und einem Produktionswert von 17,4 Milliarden Euro (Stand 2017). Gemeinsam mit seinen Netzwerkpartnern – dazu gehören u. a. die Fachhochschule Technikum Wien, UFH, die Plattform Industrie 4.0, Forum Mobilkommunikation (FMK), der Verband Alternativer Telekom-Netzbetreiber (VAT) und der Verband der Bahnindustrie – ist es das oberste Ziel des FEEI, die Position der österreichischen Elektro- und Elektronikindustrie im weltweit geführten Standortwettbewerb zu stärken. www.feei.at

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Mag. Katharina Holzinger

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