FMK: Salzburgs LHstv. Stöckl beruft sich auf Phantom-Leitlinie

Pressemeldung vom 31.03.2016

EUROPAEM Leitlinie von Dr. Oberfeld, Dr. Mosgöller und anderen widerrufen

In einem Schreiben an das FMK teilte Salzburgs LHstv  und Gesundheitslandesrat Dr. Stöckl gestern, 30.3.16 mit, dass für die Beurteilung eines geplanten Mobilfunkstandortes nicht die ÖNORM, sondern die so genannte „EUROPAEM EMF Leitlinie“ gelte – dies ist sehr bemerkenswert, denn diese „Leitlinie“ existiert nicht.

Stöckl beruft sich auf widerrufene Leitlinie

Abgesehen davon, dass die EUROPAEM EMF Leitlinie weder wissenschaftlichen noch verbindlichen Charakter hatte, wurde sie Ende 2015 von den Autoren selbst (Dr. Oberfeld, Dr. Mosgöller et al.) widerrufen. Stöckl beruft sich also auf ein Papier, das de facto nicht existiert.

Im Gegenzug hält er jedoch –  wie er wortreich in seinem Mail an das FMK ausführt – die ÖVE/ÖNORM E8850, welche in Österreich für den Personenschutz im Bereich Funkfelder verbindlich anzuwenden ist, für „nicht zutreffend“.

„Leitlinie“ ist teilweise ein Plagiat

„Retraction Watch“ berichtete vom Widerruf der EUROPAEM Leitlinie durch seine Autoren: Passagen seien einfach vom „BioInitiative Report“ aus dem Jahre 2012 übernommen worden, ohne dass Quellen zitiert wurden.

Da der „BioInitiative Report“ selbst auch nur eine Ansammlung teils unwissenschaftlicher, mobilfunkkritischer Aufsätze auf Basis einseitig ausgewählter Grundlagen ist, ist das doppelt problematisch.

Ein großer Fehler

David Carpenter, der Herausgeber des „Reviews on Environmental Health“, der die inzwischen vom Netz genommene EUROPAEM Leitlinie publizierte, dazu: „Mit diesem Artikel haben wir einen großen Fehler gemacht“.

„Leitlinien“ wie diese schüren Ängste in der Bevölkerung

Die „Leitlinie“ ging davon aus, dass die Ursache von „Elektrohypersensibilität“ Funkwellen sind. Tatsächlich sind  – nach dem allgemein anerkannten wissenschaftlichen Kenntnisstand –  die Ursachen der Symptome wie etwa Schlaflosigkeit oder Kopfschmerzen nicht die Funkwellen selbst, sondern viel mehr die Angst, die mit „Leitlinien“ wie diesen geschürt wird. Dies stellt die WHO in ihrem Factsheet Nr. 296 fest.

Rückfragehinweis: 

Gregor Wagner

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