FMK Reaktion: Französische Hirntumor-Studie hält Plausibilitätscheck nicht stand

Pressemeldung vom 15.05.2014

Studienergebnis deckt sich nicht mit statistischen Zahlen - Hirntumore sind rückläufig

Die soeben in den Medien diskutierte, französische Hirtumorstudie behauptet, dass wer mehr als 15 Stunden monatlich mit dem Handy telefoniert, einem höheren Risiko ausgesetzte ist, an einem Kopftumor zu erkranken. 

Dabei wurden weniger als 350 Kopftumorpatienten nach ihrem Telefonierverhalten befragt.

Diese Studie besteht aber den praktischen Plausibilitätscheck nicht: Denn wären die Ergebnisse der französischen Studie nur annähernd im Bereich des Wahrscheinlichen, müsste man heute auch in der österreichischen Bevölkerung - zählen doch die Österreicher von Beginn an zu den "Heavy-Usern" des Mobilfunks - eine um zumindest 30% höhere Kopftumor-Inzidenzrate finden als noch vor rund 20 Jahren.

Ein Blick in die Daten der Statistik Austria besagt aber das Gegenteil: In der Zeit seit Beginn des flächendeckenden GSM-Mobilfunks 1995 hat sich die Inzidenzrate von Kopftumoren von 9,9 Fälle pro 100.000 sogar auf rund 9 Fälle pro 100.000 reduziert, auch die Gehirn-Krebsinzidenz ist mit 5,4 Fälle pro 100.000 im Jahr 1996 und rund 5 Fälle pro 100.000 rückläufig.

FMK Reaktion 2: Autorin glaubt nicht an Aussagekraft der Hirntumor-Studie

Autorin Isabelle Baldi: Studie bedeutet nicht, dass Mobiltelefonieren zu Hirntumor führt

Die Aussagekraft der soeben in den Medien diskutierten, französischen Hirntumorstudie wird selbst von der Autorin Isabelle Baldi relativiert: „Es ist wichtig zu betonen, dass wir nur über eine Assoziation und nicht über eine Ursache sprechen. Das bedeutet daher nicht, dass die intensive Nutzung von Mobiltelefonen zu Hirntumor führt“, sagt sie.

Die Studie besteht auch den praktischen Plausibilitätscheck nicht: Der Blick in die Hirntumor-Statistik der Statistik Austria widerspricht der Annahme, es gäbe einen kausalen Zusammenhang zwischen mobilem Telefonieren und Hirntumoren:

Seit Einführung des flächendeckenden Mobilfunks in Österreich 1995 – zählen doch die Österreicher  von Beginn an zu den „Heavy-Usern“ des Mobilfunks – sank die Anzahl der Neuerkrankungen von 5,8 auf 5,1 pro 100.000 (2012 und 2013 noch nicht verfügbar).

Originalzitat Isabelle Baldi: „Cependant, il est important de souligner qu’il s’agit d’une association et non d’un lien de cause à effet. Cela ne signifie donc pas qu’une personne utilisant massivement son téléphone portable développera une tumeur au cerveau”

Quelle: http://presse-inserm.fr/utilisation-massive-du-telephone-portable-tumeurs-cerebrales/12519/

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Gregor Wagner

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