Industrie: Informatisierung kennzeichnet Industrie der Zukunft

Pressemeldung vom 04.04.2014

IV-Präsident Kapsch, FEEI-Präsidentin Ederer: Bewusstsein für „Industrie 4.0“ schaffen – Wesentliches Thema für produzierende Industrie als Technologieanwender – Digitalisierung entwickelt sich zu entscheidender ökonomischer Triebfeder – IV-Vize-GS Koren: Politik muss „Industrie 4.0“ nötige Aufmerksamkeit widmen.

„Der Trend zur Informatisierung ist ungebrochen – nicht nur für die IKT-Branche, sondern auch für die produzierende Industrie als Technologieanwender“, erklärte Mag. Georg Kapsch, Präsident der Industriellenvereinigung (IV), bei der gemeinsamen Veranstaltung von IV und dem Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI) „Industrie 4.0 – Paradigmenwechsel der Wertschöpfungskette“ gestern, Donnerstag, im Wiener Haus der Industrie: „Wir wollen ein Bewusstsein für ‚Industrie 4.0‘ schaffen und auf einen möglichen Paradigmenwechsel der Wertschöpfung aufmerksam machen.“ So werde die Produktion der Zukunft durch eine vollintegrierte und vollautomatisierte Produktionskette mit „wissendem“ Werkstück gekennzeichnet sein. Derartige „intelligente Produkte“ seien eindeutig identifizierbar, jederzeit lokalisierbar und „kennen“ ihre Historie sowie den Weg zum Zielzustand“. Zentral sei, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf den Wandel vorzubereiten und seitens der Betriebe eine entsprechende Aus- und Weiterbildung anzubieten, so der IV-Präsident.

Ederer: Industrie 4.0 ist Topthema für Europas Industrie 
„Das Zusammenwachsen von klassischer Produktion mit Informations- und Kommunikationstechnologien entwickelt sich zum Top-Thema für die europäische Industrie und bietet gerade für einen Hochtechnologiestandort große Potenziale durch mehr Effizienz und Flexibilität Kunden zielgerichteter und schneller zu bedienen“, so Mag. Brigitte Ederer, Präsidentin des FEEI. Damit sichere sich die Industrie an einem Hochlohnstandort einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil im internationalen Umfeld. „Der Erfolg und die Innovationsfähigkeit der österreichischen Industrie beruht zu einem großen Teil auf den hohen Qualifikationen der Beschäftigten. ‚Industrie 4.0‘ wird Arbeitsfunktionen und Qualifikationen der Beschäftigten nachhaltig verändern. Gleichzeitig wird qualifizierte menschliche Arbeit unverzichtbar. Es entstehen neue Schlüsselarbeitsplätze. Tätigkeiten werden weit mehr als bisher ein interdisziplinäres Qualifikationsprofil erfordern. Eine große Stärke am Standort Österreich sind Kreativität und interdisziplinäre Ausbildungen. Diese Stärken müssen wir weiter ausbauen“, betonte Ederer.

Technologie spielt Schlüsselrolle für wettbewerbsfähige Industrie 
Vor dem Hintergrund, dass die europäische Industrie zunehmendem globalem Wettbewerbsdruck ausgesetzt ist und der Industrieanteil in vielen EU Mitgliedstaaten in den vergangenen Jahren rückläufig war, seien solche Effizienzsteigerungen ein wichtiger Schritt. „Aufstrebende Wirtschaftsmächte, allen voran Asien, konnten ihren Anteil an der globalen industriellen Wertschöpfung signifikant steigern, während der europäische Anteil zwischen 2000 und 2012 um 4,9 Prozentpunkte gefallen ist“, gab Kapsch zu bedenken, und fügte hinzu: „Die Digitalisierung in den Industriesektoren entwickelt sich zu einer entscheidenden ökonomischen Triebfeder mit entsprechenden Wachstumseffekten. Technologie spielt eine Schlüsselrolle für die Industrie, um international wettbewerbsfähig zu bleiben.“ Das sei die notwendige Voraussetzung, um Unternehmen und Arbeitsplätze in Europa zu halten. „Gerade deshalb ist es umso wichtiger, dass sich auch die Politik diesem wesentlichen Aspekt internationaler Wettbewerbsfähigkeit verstärkt widmet“, zeigte sich IV-Vize-Generalsekretär Mag. Peter Koren über die Ankündigung des BMVIT erfreut, im Rahmen einer Task-Force das Thema weiter zu bearbeiten.

Geeignete Rahmenbedingungen sicherstellen 
„Industrie 4.0“ eröffne neue  Wertschöpfungspotenziale durch Dienstleistungen und Geschäftsmodelle, die Ressourcenproduktivität und -effizienz könne dadurch effektiv gesteigert werden. „Eine erfolgreiche Umsetzung ist nur bei entsprechender Unternehmenskultur und interdisziplinäre Kompetenzen machbar, das erfordert begleitende Schritte,insbesondere auch Weiterbildungsmaßahmen. In Österreich entstehen eine Reihe wichtige Initiativen u.a. auf Bundesländerebene – die es nun zu bündeln gilt. Es besteht Forschungsbedarf, der durch Erweiterung bestehender Programme abgedeckt werden muss“, so Kapsch. Darüber hinaus sei die im Regierungsprogramm verankerte „digitale Offensive“ zeitnah umzusetzen, um Infrastrukturinvestitionen für Hochgeschwindigkeitsnetze sowie die Technologieförderung im Bereich IKT zu forcieren. „Konkret fordern wir daher, dass die kolportierte eine Mrd. Euro der Versteigerungserlöse aus der Multiband-Auktion tatsächlich in eine ‚Digitale Offensive‘ fließt und damit dringend notwendiges Kapital für den weiteren Infrastrukturausbau und Technologieaufbau und damit dem Markt zukommt. Wir müssen unbedingt für geeignete Rahmenbedingungen sorgen und dürfen den Trend keinesfalls verschlafen. Denn nur durch Innovation sind Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze in Österreich und Europa zu sichern“, so der IV-Präsident abschließend.

Im Rahmen der Veranstaltung brachten Reinhard Ploss, Vorstandsvorsitzender Infineon Technologies AG und Klaus Mittelbach, Vorsitzender d. Geschäftsführung Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. anhand ihrer Key-Notes die Erfahrungen aus Deutschland mit ein, wo das Thema bereits seit längerem auf der industriepolitischen Agenda steht. In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Manfred Haase, Geschäftsführer Bosch Rexroth GmbH, Kurt Hofstädter, Head of Industry CEE, Siemens AG Österreich, Michael Losch, Sektionschef BM für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, F. Peter Mitterbauer, Vorstandsvorsitzender Miba AG, Andreas Reichhardt, Sektionschef BM für Verkehr, Innovation und Technologie, Wilfried Sihn, Geschäftsführer Fraunhofer Austria Research GmbH über Potenziale, Herausforderungen und Handlungserfordernisse.

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