Innovation & Wohlstand sind kommunizierende Gefäße

Lothar Roitner - Jahresbericht 2016/17 - rötlicher

Lothar Roitner, FEEI-Geschäftsführer, über die positiven Auswirkungen von Digitalisierung und Innovation in der Elektro- und Elektronikindustrie.

Die Digitalisierung unserer Wirtschaftswelt, insbesondere der Industrie, wird gern als Sündenbock herangezogen, wenn es darum geht, Ursachen für einen drohenden Arbeitsplatzverlust zu finden. Der selbststeuernde Roboter trage die Schuld, dass unser Sozialsystem in Zukunft nicht mehr zu finanzieren sei. Der Roboter? Weit gefehlt. Im Gegenteil bauen genau jene Unternehmen unserer Branche, die in hochtechnologisierte Fertigung investieren, massiv Arbeitsplätze auf und schaffen damit die Grundlage für Wohlstand für uns alle. Der Wirtschaftsbericht 2016 der Elektro- und Elektronikindustrie straft jeden Zweifler Lügen. Ein deutliches Plus in der Produktion, das weit über dem österreichischen Wirtschaftswachstum liegt, und – ebenfalls entgegen dem allgemeinen Trend – ein weiterer Beschäftigungsrekord: Das sind die Zahlen, mit welchen die Elektro- und Elektronikindustrie in Österreich einmal mehr eindrucksvoll ihre Stärke und Bedeutung im nationalen und internationalen Wettbewerb unter Beweis stellte.

F&E

Mit mehr als 20.000 Euro Forschungsausgaben pro Beschäftigten ist unsere Industrie die forschungsintensivste Branche Österreichs. In Summe belaufen sich die Forschungsausgaben auf knapp eine Milliarde Euro. Einzelne Unternehmen weisen gar eine Forschungsquote von 20 Prozent und mehr auf. Innovation und Wohlstand sind zwei kommunizierende Gefäße in dem Sinne, dass eine Stärkung des einen eine Steigerung des anderen bedingt.

Industrie 4.0

In der Diskussion über Industrie 4.0 und ihre Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt lohnt sich ein Blick auf diejenigen Betriebe, die in den vergangenen Jahren intensiv in Digitalisierung investiert haben. Just diese Unternehmen – viele davon Leitbetriebe der Elektro- und Elektronikindustrie, die dank ihrer visionären Unternehmensstrategie auch international erfolgreich sind – stocken ihre Belegschaft signifikant auf. Ingenieure, Informatiker, Mechatroniker – das sind die Fachkräfte, die diese Unternehmen händeringend suchen.

Trends und Strategien

Die Managementberater von Accenture haben im Vorjahr Unternehmen auf den Grad ihrer Digitalisierung durchleuchtet und Zusammenhänge zwischen digitaler Ausrichtung und betrieblichem Wachstum genauer analysiert. Daraus lassen sich wertvolle Rückschlüsse auf erfolgreiche Strategien ziehen. Diese heißen Internationalisierung, Innovation und Digitalisierung. Entgegen landläufigen Befürchtungen sind es gerade die hochdigitalisierten Unternehmen, die nachhaltig wertvolle Arbeitsplätze schaffen. Unternehmen der Elektro- und Elektronikindustrie sind in dieser Top-Kategorie besonders zahlreich anzutreffen. Das verwundert nicht weiter: Unsere Branche entwickelt Schlüsseltechnologien für die IKT-Durchdringung und ist bei der Digitalisierung ihrer eigenen Produktion weit fortgeschritten.

Neue Arbeitsplätze

Die Arbeit wird uns auch in Zukunft nicht ausgehen: Das Industriewissenschaftliche Institut (IWI) rechnet mit zusätzlichen 13.000 Beschäftigungsverhältnissen allein in unserer Branche. In Österreich rechnen Arbeitsmarktservice und WIFO mit 40.000 neuen Arbeitsplätzen im MINT-Bereich. Seit 160 Jahren steigt die Produktivität, dennoch sind mehr Menschen als je zuvor in Österreich beschäftigt. Unternehmen, die in Zukunftstechnologien investieren, können erfolgreich wirtschaften und Beschäftigung in Österreich schaffen. Ohne Investitionen in Industrie 4.0 – auch Roboter – bleibt die Produktion nicht in Europa. Oder wie der Schriftsteller Giuseppe Tomasi di Lampedusa meinte: „Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, müssen wir zulassen, dass sich alles verändert.“ 

Mag. Katharina Holzinger

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