Österreich als Weltklassestandort der Elektronikindustrie

Jörg Leichtfried ist Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie.

Das Infrastrukturministerium investiert mit „Silicon Austria“ 110 Millionen Euro in die Forschung rund um elektronikbasierte Systeme (EBS).

Weltweit herrscht ein breiter Konsens, dass elektronikbasierte Systeme in hochentwickelten Volkswirtschaften eine immer größere Rolle spielen. Mikro- und nanotechnologische Komponenten, Baugruppen, Mess- und Steuerungsgeräte sowie die zugehörige Software sind die Basis für komplexe physisch-digitale Systeme. Die aktuelle rasante Entwicklung in Bereichen wie Elektrotechnik, Software, Frequenztechnik, Messtechnik, Automatisierung, Steuerungs- und Regelungstechnik, Mikro-und Nanoelektronik, Photonik, neuen Materialien oder Systemintegration ist zu einem großen Teil den immensen Fortschritten in der Elektronik und Mikroelektronik zu verdanken. Elektronikbasierte Systeme bilden wesentliche Bausteine für selbstfahrende Autos, das „Internet der Dinge“, die viel zitierte „Industrie 4.0“ und intelligente Infrastruktur und Häuser sowie vernetzte Städte. Die Fortschritte in der Elektronikindustrie wirken sich auf zahlreichen Ebenen direkt auf unser Alltags- und Berufsleben aus – in der Produktion, im Energiesektor, im Transport, im Gesundheitswesen, in der Sicherheit, in der Logistik und im Dienstleistungssektor insgesamt. Die daraus resultierenden industriepolitischen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte sehen wir bereits heute: Robotisierung, Digitalisierung, Automatisierung von Prozessen, Systemen und Produkten und vieles mehr. Schon heute hängen mindestens zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts von Produkten und Dienstleistungen der Elektronikindustrie ab, Tendenz stark steigend.

Silicon Austria

Im vergangenen Jahr waren in Österreich rund 200 Unternehmen im EBS-Sektor aktiv. Sie beschäftigen mehr als 62.000 Personen und erwirtschaften einen Gesamtumsatz von mehr als 76 Milliarden Euro. Vor diesem Hintergrund ist der EBS-Sektor eindeutig eine strategisch relevante Industrie für Österreich. Mein Ziel ist es, Österreich zu einem absoluten Weltklassestandort für Elektronik und Mikroelektronik zu machen. Das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie hat deshalb das Forschungs- und Investitionsprogramm „Silicon Austria“ ins Leben gerufen. Das Konzept dafür wurde über zweieinhalb Jahre lang in enger Abstimmung mit österreichischen Leitbetrieben und Forschungseinrichtungen entwickelt. In diesem technologiegeleiteten und industriepolitisch ausgerichteten Programm stellt mein Ressort 110 Millionen Euro zur Verfügung. Um unser gemeinsames Ziel zu erreichen, setzen wir auf ein Zusammenspiel mehrerer Instrumente. Das zentrale Element von Silicon Austria ist ein neues Forschungszentrum für elektronikbasierte Systeme auf Weltklasseniveau, um die derzeit fragmentierten Aktivitäten der außeruniversitären Forschung zusammenzuführen. Diese „Silicon Austria Labs“ haben den Anspruch, das Herz der österreichischen Elektronikforschung in Österreich zu sein. Dafür stellen wir die entsprechende Infrastruktur bereit und setzen somit einen Meilenstein in der heimischen EBS-Forschung.

Unser Ziel ist, eines der fünf besten außer universitären Forschungszentren in diesem Feld in Europa zu sein. Zudem setzen wir auf drei unterstützende und flankierende Maßnahmen. Um kritische Engpässe bei hochqualifiziertem Personal zu beheben, richten wir bis zu vier einschlägige Stiftungsprofessuren an österreichischen Universitäten ein. Mein Ressort unterstützt jede Stiftungsprofessur während fünf Jahren mit 1,5 Millionen Euro. Bis zu zwei Pilotfabriken werden dabei helfen, forschenden Unternehmen und Universitäten bestmögliche Entwicklungsumgebungen zu bieten und das Entstehen von Prototypen zu beschleunigen. Um den Wissenstransfer aus den Universitäten zu verbessern und die Gründung von Start-ups zu erleichtern, richten wir zwei „Fab Labs“ an österreichischen Universitäten ein, an die bis zu sechs regionale „Makerspaces“ angeschlossen sind. Beides sind offene Werkstätten, in denen Privatpersonen Zugang zu modernen Produktionsstätten und Maschinen haben. Unsere Analysen zeigen, dass Österreich über eine gute Ausgangsbasis verfügt. Jetzt geht es darum, zur internationalen Spitze aufzuschließen. Ich freue mich, diesen Weg gemeinsam mit der heimischen Elektronikindustrie zu gehen.