Die Zukunft beginnt mit 5G

Florian Schnurer

FEEI-Telekommunikationsexperte Florian Schnurer fordert mehr öffentliche Investitionen in den Netzaufbau sowie in die Forschung und Entwicklung.

Für den Mobilfunk- und Wirtschaftsstandort Österreich tut sich ein „Window of Opportunity“ auf, das die Chance bietet, durch rasches und entschiedenes politisches Handeln erneut die europäische Vorreiterrolle im Mobilfunk einzunehmen, die er in der Vergangenheit innehatte – sowohl im Hinblick auf die verfügbare Netzqualität als auch auf die Forschung und Entwicklung in diesem Bereich. Denn die Mobilfunktechnologie 5G hat das Potenzial, Österreichs Wirtschaft durch die Entwicklung neuer Technologien, Applikationen und Services anzukurbeln.

Ein klarer Fokus auf bestimmte Stärkefelder und die Implementierung von Demonstratoren und Piloten sind allerdings unerlässlich, um Fortschritte zu erreichen und die Forschung gezielt voranzutreiben. Die Weiterentwicklung von 5G kann zu Wertschöpfung in Österreich führen, denn viele Unternehmen könnten von einer gezielten Schwerpunktsetzung der Forschungsförderungen profitieren. Ein klarer Umsetzungsplan und eine stringente Schwerpunktsetzung können nämlich Unternehmen, die im konzerninternen Wettbewerb um das Forschungs- und Innovationsthema stehen, einen standortpolitischen Vorteil verschaffen. Durch vorhersehbare Rahmenbedingungen und in Aussicht gestellte Förderungen können Unternehmen „5G-Arbeitsplätze“ nach Österreich ziehen.

Die technologischen Stärkefelder Automotive, Smart City, Industrie 4.0, E-Health und Verkehrssteuerung bieten sich als Schwerpunkte an, da bereits jetzt eine Vielzahl an österreichischen Unternehmen in diesen Feldern international führend sind.

Neben den richtigen Forschungsanreizen bedarf es auch der Förderung der raschen flächendeckenden Einführung von 5G, die eine drastische Erhöhung der Anzahl der Sendestandorte im gesamten Bundesgebiet nach sich ziehen wird. Damit einhergehen muss der Aufbau einer flächendeckenden Glasfaserinfrastruktur, um die künftigen Bandbreiten- und Qualitätsanforderungen zu erfüllen. Das volle Potenzial von 5G kann nämlich nur dann gehoben werden, wenn (fast) alle Sendestandorte mit Glasfaser angeschlossen sind.

Die öffentliche Hand ist gefordert, den Ausbau des Glasfasernetzes zu unterstützen, da für eine vollständige Abdeckung des gesamten Bundesgebiets private Investitionen schlichtweg nicht ausreichen werden.

Nur wenn Bund, Länder und Gemeinden einen Teil der Investitionskosten fördern, kann Österreich zum 5G-Frontrunner aufsteigen. Das Geld wäre gut investiert, wie Ökonomen vorrechnen, denn laut WIFO sichert ein Investment von 1,5 Milliarden Euro in den Breitbandausbau über 64.000 Arbeitsplätze in Österreich.

Die Elektro- und Elektronikindustrie begrüßt die nationale 5G-Strategie der Bundesregierung, da diese Hoffnung macht, dass Österreich im internationalen Standortwettbewerb erfolgreich sein kann. Insbesondere die gezielte Schwerpunktsetzung in bestehenden Forschungsförderungsprogrammen sowie die Forschung und Entwicklung im Bereich 5G-Anwendungen bieten wie vorhin beschrieben große Chancen für die Elektro- und Elektronikindustrie.

Damit Österreich wieder zum europäischen Vorreiter in Sachen Mobilfunktechnik avancieren kann, braucht es die öffentliche Unterstützung sowohl beim Ausbau als auch bei der Forschung und Entwicklung. Denn falls wir die gebotene Chance nutzen wollen, sollten wir besser heute als morgen mit der Umsetzung beginnen.