Wie die Digitalisierung die Berufswelt verändert

Roland Sommer
Roland Sommer

Gewinner in der digitalisierten Arbeitswelt werden kreativ denkende Menschen sein, die lebenslanges Lernen und Flexibilisierung leben. Darin war sich die Expertenrunde mit Roland Sommer, Geschäftsführer des Vereins "Industrie 4.0 Österreich – die Plattform für intelligente Produktion“, Martin Fluch von der A1 Telekom Austria, Markus Posch, Personalchef der Erste Group, Jakob Weinknecht von der NAVAX Unternehmensgruppe, Carsten Brzeski, Chef-Volkswirt der ING-DiBa auf der Podiumsdiskussion der Digital Business Trends (DBT) Mitte Mai einig.

Gekommen, um zu bleiben: Der Mensch in der digitalisierten Arbeitswelt

„Bestehende Berufsbilder werden sich im Zuge der Digitalisierung ändern. Die meisten Berufe verschwinden aber nicht einfach“, erklärte Sommer. Vielmehr würden neue Tätigkeitsprofile mit höheren Qualifikationsanforderungen entstehen. Immer wichtiger seien deshalb Weiterbildung und Flexibilität. Die menschenleere Fabrik werde es jedenfalls nicht geben. „Im kreativen Bereich der Produktentstehung bleibt die menschliche Intelligenz unverzichtbar“, so Sommer. Verbesserungspotenziale durch Automatisierung seien an einem bestimmten Punkt erschöpft. Die Gesamtzahl der Arbeitsstellen werde sich bis 2030 nicht maßgeblich verändern – sehr wohl aber die Ströme auf dem Arbeitsmarkt.

"Im kreativen Bereich der Produktentstehung bleibt die menschliche Intelligenz unverzichtbar."

Roland Sommer, Geschäftsführer des Vereins "Industrie 4.0 Österreich"

Neben der Digitalisierung hat vor allem die Automatisierung Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Denn intelligente Maschinen werden laut Studien viele Jobs von Menschen übernehmen. Doch es entsteht eine Vielzahl neuer Berufsbilder, so das Credo der Experten. Vor einer zu eingegrenzten Sichtweise auf das Thema Digitalisierung warnte Markus Posch, Personalchef der Erste Group. „Das ist keine Maschine, die erfunden wurde, um uns effizienter zu machen. Es geht um einen Teil unserer gesellschaftlichen Entwicklung, von dem kein Bereich unseres Lebens unberührt bleibt“, erklärte Posch. „Neu ist, dass die Digitalisierung nicht mehr nur einfache Tätigkeiten erfasst, sondern auch Wissen ersetzbar macht. Manche Berufsgruppen werden total verschwinden“, so Carsten Brzeski von der ING-DiBa. Neue Arbeitsplätze entstünden vor allem in kreativen Bereichen, nicht mehr bei langweiligen Routinearbeiten. „Fest steht: Die Digitalisierung ist da. Ob sie gut oder schlecht ist, wird sich erst zeigen“, so Brzeski.

Optimistisch zeigte sich auch Martin Fluch von der A1 Telekom Austria. Schließlich seien im Laufe der industriellen Revolution von einer Stufe zur nächsten immer mehr Jobs geschaffen worden. Allerdings nehme die Geschwindigkeit der Veränderung in den Märkten laufend zu, was für größere Organisationen und produzierende Unternehmen mit festgelegten Abläufen in ihren Anlagen eine große Herausforderung darstelle. Er verwies auch auf Hürden, die es schwer machen würden, neue Arbeitsplätze zu schaffen. So dränge beispielsweise die starke Regulierung Unternehmen an den Rand der wirtschaftlichen Tragfähigkeit.

Bildungssystem erneuern: Kreativität, Methodenkompetenz und Weitblick sind gefragt

Der aktuelle Wandel und die Digitalisierung könne nicht nur an einem Produkt oder einem einzelnen Service festgemacht werden, sondern bedürfe einer Veränderung des gesamten Unternehmens, stellte Fluch klar. „Wir brauchen Freigeister, die Probleme von verschiedenen Seiten sehen. Die sind durch den Fokus auf Spezialisten etwas verloren gegangen. Da müssen wir wieder hin“, so der Experte. Weinknecht von der NAVAX Unternehmensgruppe betonte, dass sich das Bildungssystem rapide ändern müsse. „Wir müssen weg von Spezialisten hin zu Personen, die ihr Wissen in verschiedene Bereiche transformieren können. Es geht darum, kreatives Denken wieder beizubringen und zu erlauben“, betonte Weinknecht. Die Lehrpläne des letzten Jahrhunderts würden den neuen Anforderungen jedenfalls nicht mehr gerecht.

Über DBT

Die Veranstaltungsreihe Digital Business Trends (DBT) wird gemeinsam von APA – Austria Presse Agentur und styria digital one (sd one) organisiert und von Partnern, wie dem FEEI und der FH Technikum Wien, die den digitalen Wandel aktiv mitgestalten wollen, getragen.​​​​​​

Im Rahmen von insgesamt zehn Veranstaltungen pro Jahr (Wien, Linz, Graz) trifft sich die digitale Community zum Meinungsaustausch und Networking im real life und spricht über Markenentwicklungen, Technologien und Innovationen.​​​​​​