Energieversorgung: Weniger ist mehr

Windkraft

Wir erleben derzeit einen markanten Wendepunkt in der Energieversorgung. Die erneuerbaren Energien haben den Sprung aus der Nische geschafft, die Energieeffizienz steigt. Diese Entwicklung wirft aber auch neue Probleme auf.

Man stelle sich einen motivierten Politiker vor, bereit, die gesamte Energieproduktion seines Landes auf nationale Ressourcen zu konzentrieren. Das stößt den Nachbarländern sauer auf und zieht einigermaßen weitreichende geopolitische Verwerfungen nach sich. So weit der Plot der erfolgreichen TV-Serie „Occupied“ des für seine düsteren Szenarios bekannten norwegischen Autors Jo Nesbø. Während in Nesbøs Geschichte ein Staat zugunsten des Klimawandels schrittweise seine Souveränität aufgeben muss, sieht die Realität erfreulicherweise anders aus: In Paris haben sich die Länder dieser Welt auf gemeinsame Klimaschutzziele geeinigt. Die effiziente Nutzung von Energie und der verstärkte Einsatz von erneuerbaren Energien sind die zwei treibenden Kräfte für eine erfolgreiche Energiewende.

Erneuerbare Energie hat aufgeholt

Faktisch ist der Wendepunkt bereits erreicht: Wie der Klima- und Energiefonds im „Faktencheck Energiewende 2015“ erläutert, haben die Erneuerbaren den Sprung aus der Nische geschafft: In der Stromproduktion wird international mittlerweile jährlich mehr erneuerbare Kapazität errichtet als fossile und nukleare in Summe. Seit 2013 haben die Erneuerbaren fossile Kraftwerke und Nuklearenergie überholt: 58 Prozent der Leistung aller neuen Kraftwerke stammen aus erneuerbarer Energie. Die enorme Entwicklung kann gut am Beispiel Windkraft und Photovoltaik verfolgt werden: Innerhalb von zehn Jahren hat sich die installierte Windkraftleistung auf 370 Gigawatt (2014) weltweit verachtfacht und die Kapazität der Photovoltaikanlagen verfünfzigfacht (177 GW).

„Ohne höhere Energieeffizienz sind die Ziele von Paris nicht erreichbar.“

Klaus Bernhardt, FEEI-Experte für Energie und F&E

Intelligente Stromnetze als Voraussetzung

„Aus Sicht der Energietechnik ist dies ein zweischneidiges Schwert“, meint Klaus Bernhardt, FEEI-Experte für Energie und F&E. „Zum einen entstehen durch die Förderung von Windenergie massive Marktverzerrungen – mit dem unerwünschten Nebeneffekt, dass in Deutschland als Regelenergie die klimaschädliche Braunkohle betriebswirtschaftlich eingesetzt wird. Zum anderen werden auch die Energienetze technisch instabiler, sofern sie nicht zu Smart Grids ausgebaut wurden.“ Die positiven Effekte wie Einsparungen an fossilen Treibstoffen, die in Österreich bei rund zwölf Milliarden Euro jährlich liegen, sollte man laut Bernhardt sinnvollerweise auch in den Ausbau von intelligenten Stromnetzen investieren.

„Ohne höhere Energieeffizienz sind die Ziele von Paris nicht erreichbar“, so Bernhardt. Die Internationale Energieagentur (IEA) hält zwei Drittel der vorhandenen Möglichkeiten, Energie effizienter zu nutzen, noch nicht für ausgeschöpft. Rund ein Drittel des jährlichen Verbrauchs in Österreich geht auf das Konto des produzierenden Gewerbes. Insgesamt benötigt dieser Sektor jährlich rund 300 Petajoule (PJ) an Endenergie. Knapp 160 PJ werden für den Betrieb von Industrieöfen aufgewendet, 120 PJ für Standmotoren.

Effizienzsteigerung

„Viele industrielle Prozesse erfordern große Mengen an Wärme und Kälte sowie an mechanischer Energie. Aufgrund der Vielfältigkeit der Prozesse gibt es auch zahlreiche Ansatzpunkte zur Effizienzsteigerung“, so Bernhardt. „Große Einsparungsmöglichkeiten liegen in Systemoptimierungen, die unter anderem durch den Einsatz von IKT erzielt werden können.“

Energieeffizienz in privaten Haushalten

Rund 28 Prozent der elektrischen Energie in Österreich werden in privaten Haushalten verbraucht. Auch hier führt am Einsatz von neuen Technologien kein Weg vorbei. Im Schnitt sind Hausgeräte und Licht für 13 Prozent des privaten Stromverbrauchs verantwortlich. Die sparsamsten Kühlgeräte der höchsten Energieeffizienzklasse verbrauchen heute nur halb so viel Energie wie eine Energiesparlampe.