Das industrielle Rückgrat steht auf dem Spiel

FEEI-Präsidentin Brigitte Ederer

Gastkommentar von Brigitte Ederer in der Kleinen Zeitung, 2. Dezember 2017, S. 10

Mit dem Kauf europäischer Hightech-Firmen möchte das Reich der Mitte an die Weltspitze. Das darf nicht auf Kosten heimischer Unternehmen und ihrer MitarbeiterInnen gehen. Ein europäischer Mechanismus zur Überprüfung ausländischer Direktinvestitionen ist daher unabdingbar.

China - ein fairer Player?

Spielt China fair? Diese Frage stellt man sich in Wirtschaftskreisen nicht erst seit Donald Trump die Devise „America First“ in den Handelsbeziehungen zur Volksrepublik ausgegeben hat. Relativ neu ist in diesem Zusammenhang der ausgeprägte Appetit chinesischer Investoren auf europäische Hochtechnologieunternehmen. Nicht weniger als 35 Milliarden Euro an Direktinvestitionen flossen im vergangenen Jahr aus China nach Europa, ein Plus von 77 Prozent gegenüber 2015. Vorläufiger Höhepunkt der einschlägigen Shoppingtour war die Übernahme des deutschen Roboterherstellers Kuka Ende 2016.

"Nicht weniger als 35 Milliarden Euro an Direktinvestitionen flossen im vergangenen Jahr aus China nach Europa, ein Plus von 77 Prozent gegenüber 2015."

„Made in China 2025“ – mit Hochtechnologie zur Supermacht

Hinter dem auffälligen Investitionsdrang in Spitzentechnologie steckt eine ausgeklügelte industriepolitische Strategie der kommunistischen Führung in Peking. Unter dem Titel „Made in China 2025“ soll das Reich der Mitte bis 2025 zu einer industriellen Supermacht aufgebaut werden. In zehn Schlüsseltechnologiebereichen, darunter der Industrieautomation, bei Elektroautos, Robotern, der Luftfahrt oder Halbleitern möchte man an die Weltspitze. Dafür liegen 300 Milliarden US-Dollar bereit. Das Besorgniserregende daran: Die chinesische Regierung setzt diese Strategie nun sukzessive um, mit einer Konsequenz und Hartnäckigkeit, die ihresgleichen sucht. Einerseits, indem man westliche Technologieführer wie Kuka akquiriert, und andererseits indem europäische und amerikanische Anbieter mit Schikanen aller Art aus dem chinesischen Markt gedrängt werden. Von Freihandel nach gleichen und fairen Spielregeln also keine Spur. Von freier Marktwirtschaft eben so wenig, schließlich steckt hinter vielen chinesischen Firmen direkt oder indirekt der Staat.

Investment Screening bei Schlüsseltechnologien

Österreich und die EU sind daher gut beraten, nach dem Vorbild der USA Investments in Schlüsselindustrien zukünftig genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Autoindustrie oder die Maschinenbauer sind etwa auf europäisches Know-how in der Mikroelektronik angewiesen. Verlieren wir es, könnten wir in letzter Konsequenz auch unser industrielles Rückgrat verlieren. Hinter den Kulissen klopfen chinesische Investoren nämlich auch hierzulande laut an die Türen vieler Hochtechnologieschmieden.