Frauen in der Technik: Fem.Tech.Talks@Bosch – zu Gast bei der Robert Bosch AG zum Thema: Internationale Karrierewege

Frauen in der Technik: Netzwerkevent des FEEI und der FH Technikum Wien - Eine dreifache Perspektive zu unterschiedlichen Erwartungen und Lebensphasen

Der FEEI und die FH Technikum Wien luden zum fünften Mal zum Netzwerkevent „Frauen in der Technik“ für Studentinnen und Mentorinnen des Stipendiums „1.000 Euro statt Blumen“. Im Rahmen des Programms begleiten Mentorinnen aus der Wirtschaft die ausgezeichneten Nachwuchs-technikerinnen beim Berufseinstieg.

Der FEEI Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie und die FH Technikum Wien veranstalteten am 22.November 2018 gemeinsam mit der Robert Bosch AG den fünften Netzwerkevent „Frauen in der Technik“ zum Thema „Internationale Karrierewege“. Katharina Janauschek gab als Organisations- und Personalentwicklerin Einblick in ihre internationalen beruflichen Stationen von Australien, über Holland bis Norwegen. In der lebhaften und interessanten Podiumsdiskussion wurden die Learnings und Erwartungen einer internationalen Karriere von Paula Herzog, derzeit in Deutschland für die Bosch Gruppe tätig, und Lara Baumgartner, Masterstudentin an der FH Technikum Wien, ergänzt.

Der Weg ins Ausland ist immer ein Neustart

Katharina Janauschek verfolgte seit ihrem Studium in Wien das Ziel im Ausland zu leben und zu arbeiten. Der erste Stopp sollte Perth an der australischen Südwestküste werden. „Ich bin nicht als Expat nach Australien aufgebrochen, sondern habe mir die Reise und den Start in Perth selbst organisiert. Für die erfolgreiche Jobsuche war es wichtig, dass ich lokale Ausbildungen gemacht habe. Diese waren für die Recruiter aussagekräftiger als jedes österreichische Zertifikat.“ Nach zwei Jahren war es Zeit wieder in die Nähe vom österreichischen Zuhause zu kommen, und so war der nächste Stopp Den Haag in den Niederlanden. „Mein Mann und ich glaubten zuvor, dass die Niederlassung in einem europäischen Land als Österreicher ohne großen bürokratischen Aufwand möglich wäre. Dem war schlicht nicht so. Da ich damals mit meiner Tochter schwanger war, wollte ich zumindest vor der Geburt alles erledigen“, erzählt Katharina Janauschek. Das ist gelungen und nach einem Jahr ging es zu dritt weiter nach Stavanger in Norwegen. „Es war für mich beruflich als auch privat wieder ein Neustart. Beruflich habe ich in Stavanger als Trainerin für Cross Cultural Awareness erfolgreich Fuß gefasst. Es war sehr spannend, Expats zum Thema Kulturschock und interkulturelle Kommunikation zu beraten.“ Nach drei Jahren entschied sich die nunmehr vierköpfige Familie wieder nach Österreich zurückzukehren. Anders würde Katharina Janauschek nichts an ihrer internationalen Karriere machen, aber: „Es war gut, dass ich sehr unbedacht an die Sache herangegangen bin. Auch wenn ich  Kontakte in Österreich verloren habe, lernte ich viel über mich und Toleranz sowie Menschen so anzunehmen wie sie sind.“

Für eine internationale Karriere bedarf es Ausdauer, sie stärkt aber enorm die persönliche Entwicklung

In der Podiumsdiskussion brachten Paula Herzog und Lara Baumgartner noch zwei weitere Perspektiven zum Thema internationale Frauenkarrieren ein. Paula Herzog arbeitet zurzeit für die Bosch Gruppe als technische Assistenz im Entwicklungsbereich in Stuttgart. „Für mich war es die Chance, in meinem Bereich an der Weltspitze mitzuarbeiten. Als Expat der Robert Bosch AG hatte ich den Vorteil, dass ich organisatorisch beim Umzug und der Wohnungssuche vor Ort voll unterstützt wurde.“ Mit einem Schmunzeln erzählt sie weiter: „Obwohl Stuttgart nur rund 700 Kilometer von Wien entfernt ist, die Sprache vermeintlich dieselbe ist, gibt es doch viele kulturelle Unterschiede und bürokratische Hürden. So kann zum Beispiel schon der Antrag für eine Kreditkarte zum bürokratischen Spießrutenlaufen werden.“ Dennoch könnte sie sich aber vorstellen, länger als die geplanten drei Jahre zu bleiben.

Für Lara Baumgartner, Masterstudentin an der FH Technikum Wien, stellte sich die Frage eines beruflichen Auslandsaufenthaltes noch nicht konkret: „Ich lebe sehr gerne in Wien und habe noch nicht den Drang verspürt ins Ausland zu gehen. Aber je intensiver ich darüber nachdenke, desto interessanter wird der Gedanke für mich. Es macht für mich persönlich weniger Sinn während des Studiums ins Ausland zu gehen, ich brauche die Sicherheit meines geregelten Lebens in Wien und  die Zeit während des Studiums ist sehr kurz, um eine andere Kultur kennenzulernen. Viel mehr möchte ich das während eines Berufsaufenthaltes machen“. Nach Abschluss des Masterstudiums könnte sie ihr Weg vielleicht doch ins Ausland führen.

USA als ein beliebtes Zielland – Österreicher könnten mobiler sein

Laut einer aktuellen Studie der Boston Consulting Group (BCG) ist die USA global betrachtet das beliebteste Zielland für Personen, die im Ausland arbeiten möchten. Deutschland ist gegenüber der vergleichbaren Studie aus dem Jahr 2014 um zwei Ränge vorgerückt und liegt jetzt auf Platz 2, gefolgt von Kanada und Australien, das von Rang 7 auf 4 steigt. Die österreichischen Arbeitnehmer ziehen, wenn sie ins Ausland gehen, vor allem in den deutschen und den englischen Sprachraum. Generell sind sie aber in Bezug auf die internationale Mobilität zurückhaltender als viele vergleichbare Nationen.

Das Podium ist sich einig, dass der Weg einer internationalen Karriere viele Vorteile und Impulse für die persönliche Entwicklung darstellt. Begonnen mit dem Erwerb von interkultureller Kompetenz, Knüpfen internationaler Beziehungen, Verbesserung der Sprachkenntnisse und Erweiterung des persönlichen Horizonts. In der angeregten Diskussion mit dem Publikum gab es Einigkeit wie wichtig Frauennetzwerke für die berufliche Entwicklung sind. Sowie das Thema der Vereinbarkeit von Job und Familie nach wie vor ein weibliches Thema ist. „Die Vereinbarkeit von Job und Familie ist wirklich anstrengend“, sagt Katharina Janauschek aus eigener Erfahrung, „Aber es ist alles machbar und die Väter müssen auch ihren Teil dazu beitragen. Als Vollblut-Mutter will ich auch arbeiten und mich nicht entscheiden müssen.“