E-Learning: Lernen im virtuellen Hörsaal

E-Learning

Lernen via Internet nimmt weltweit an Bedeutung zu, auch an der FH Technikum Wien wird E-Learning großgeschrieben. Warum ein gewisser Grad an Präsenz dennoch sinnvoll ist, erklären die Vizerektoren und Didaktikexperten Christian Kollmitzer und Martin Lehner.

Österreichs Hochschulen sind, so scheint es, im digitalen Zeitalter angekommen: Laut einer aktuellen Untersuchung des Wissenschaftsministeriums kommt 2016 bereits flächendeckend E-Learning zum Einsatz. Die wichtigsten Gründe für die Einführung von digitalisiertem Lernen sind zum einen ein erleichterter Zugang zum Studium, zum anderen eine größere Auswahl an didaktischen Möglichkeiten. Für die Fachhochschule Technikum Wien, die größte rein technische FH in Österreich und Netzwerkpartner des FEEI, ist bei der Digitalisierung der Lehre vor allem die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Studium ausschlaggebend. „E-Learning ist mehr als reines Zur-Verfügung-Stellen von Vorlesungen oder Lerninhalten auf einer Online-Plattform“, erklärt Christian Kollmitzer, Vizerektor der FH Technikum Wien. Es erfordert gruppenspezifische Didaktik und häufig eine ausgeprägte Feedback-Kultur, mit der sich Lernfortschritte messen und bewerten lassen. E-Learning an der FH Technikum Wien umfasst etwa das Erstellen von Wikis und Gruppenarbeiten, die über Foren und Chats organisiert und bearbeitet werden, aber auch Simulationen am Computer, um Laborergebnisse nachzustellen. Auch beim Einsatz kurzer Videos oder Podcasts werden Inhalte per E-Learning vermittelt.

Qualität von E-Learning-Programmen

Im Gegensatz zum sehr individuellen E-Learning-Angebot der FH sind weltweit Massive Open Online Courses (kurz: MOOCs) im Kommen. Dort ist die Lernkontrolle bzw. Qualitätssicherung nicht mehr über ein persönliches Feedback möglich. Weltweit nutzen mehr als 20 Millionen Menschen sogenannte Online-Vorlesungen. „Die Qualität beim E-Learning steht und fällt mit dem Engagement der Lehrkraft. Darin unterscheidet es sich nicht vom Präsenzunterricht“, erklärt Kollmitzer. „Es gehören viel didaktisches Fachwissen und Einsatz der Lehrenden dazu, Studenten ein qualitativ hochwertiges E-Learning-Programm anzubieten. Es ist also nicht damit getan, Unmengen an Stoff online zur Verfügung zu stellen.“ Eine ausgeprägte Feedback-Kultur ist in puncto E-Learning besonders wichtig, um individuelle Lernfortschritte zu erfassen und die Lehrmethoden darauf abzustimmen. Das kostet enorm viel Zeit und strukturelle Überlegungen. Aber nur so kann eine Bildungsinstitution die Möglichkeiten und Chancen, die digitales Lernen bietet, auch optimal nutzen und Studenten anbieten.

Präsenz erhöht Erfolg

Fast 50 Prozent der Studierenden an der FH Technikum Wien lernen berufsbegleitend, viele davon in Form von E-Learning. Eine enge Verzahnung von Lehrenden und Studenten ist ein Mittel, um Drop-out-Zahlen zu reduzieren: Denn je größer der Anteil des sogenannten Distance Learning in einem Studiengang ist, desto höher ist die Abbruchquote der Studierenden. Das bedeutet, dass eine enge Verzahnung von Präsenz und E-Learning für Studenten viel erfolgversprechender ist.

Die Digitalisierung allein darf kein Selbstzweck sein, warnt demnach auch Martin Lehner, Vizerektor für Lehre an der FH Technikum Wien. „E-Learning ist eine punktuelle Auslagerung, die flexible Zeitmodelle anbietet, aber es kann nur eine Ergänzung zur klassischen Lehre vor Ort sein. Die Kombination aus Präsenzphasen und E-Learning ist sinnvoll, erfolgreich und zielorientiert, wenn ein ganzheitliches Lehrkonzept, eine hohe Qualifikation des Lehrkörpers und nachvollziehbare Standards Hand in Hand gehen.“

  • 1994 gegründet
  • Mehr als 9.000 Absolventinnen und Absolventen
  • Mit mehr als 4.000 Studierenden ist die Fachhochschule Technikum Wien Österreichs größte rein technische FH
  • 13 Bachelor- und 17 Masterstudiengänge sowie fünf Masterlehrgänge
  • Seit 1999 sogenanntes Blended Learning, bei dem sich E-Learning-Phasen mit Präsenzphasen abwechseln
  • Seit 2009 Distance-Learning-Studiengänge mit einem Anteil von rund 90 Prozent E-Learning-Phasen
  • 50 Prozent der Studierenden lernen berufsbegleitend für ihren Abschluss
  • Individualisierung und Modularisierung der Lehre
  • Neue Medien- und Methodenkompetenz
  • 18 berufsbegleitende Studiengänge sowie zahlreiche berufsbegleitende Weiterbildungsmöglichkeiten
  • 3 Fernstudiengänge
  • 15 Vollzeitstudiengänge

Fragen & Antworten

Christian Kollmitzer, Vizerektor der FH Technikum Wien, zum Thema E-Learning.

Welche Kriterien gibt es für qualitativ hochwertiges E-Learning?
Grundsätzlich kommt es auf die Qualität der Hochschule und der Lehrenden an. Sie bestimmen sowohl im Präsenz- als auch im E-Learning-Unterricht die Qualität des Studiums.

Wo sehen Sie noch ein großes Potenzial in Bezug auf E-Learning?
Vor allem im Bereich Erwachsenenbildung ermöglicht E-Learning eine flexiblere Kombination aus Beruf und Weiterbildung. Darin sehe ich große Chancen für Unternehmen und Arbeitnehmer. Lebenslanges Lernen, das auch eine Verbindung zwischen Beruf und Studium erlaubt, ist ein Fixum in der neuen, digitalisierten Arbeitswelt.

Worin sehen Sie den größten Vorteil von E-Learning?
Studieninhalte zukünftig individuell auf die Studierenden und die Arbeitswelt abzustimmen, betrachte ich als den größten Vorteil.