Hans Truppe, Industrie 4.0 Koordinator

Die Transformation von Unternehmen in die digitale Welt muss – wenn sie langfristig erfolgreich sein wollen – in den Köpfen der Chefetagen verankert sein, sind sich Experten einig. Es findet ein Paradigmenwechsel statt, der nicht von der IT-Abteilung allein orchestriert werden kann und soll. Mit bestem Beispiel voraus geht ein weltweit führender Halbleiterhersteller, dessen Österreich-Tochter in Villach eigens einen Industrie-4.0-Koordinator für diese Aufgabe berufen hat. Als einer der wenigen Industrie-4.0-Projektmanager in Österreich koordiniert Hans Truppe die Weiterentwicklung zur intelligenten Fabrik: „Die Halbleiterindustrie ist zwar eine hochtechnologisierte und hochautomatisierte Branche. Sie muss sich aber immer auch die Frage stellen: Wie werden wir in zehn oder 15 Jahren produzieren?"

Als langjähriger Leiter des Moduls Liniensteuerung kennt er die Produktionsabläufe des Unternehmens wie kein anderer. Zuletzt war er für die Einführung von Leistungshalbleitern in 300-Millimeter-Dünnwafer-Technologie verantwortlich. Seine Vision ist die Vollvernetzung.

„In unserem Unternehmen ist Industrie 4.0 kein Schlagwort, sondern bereits gelebte Realität. Industrie 4.0 ist eine Querschnittsmaterie, die Technologie, Prozessabläufe und auch entsprechende Qualifikation der Mitarbeiter miteinschließt. Das Ziel ist eine schnellere Entwicklung und  Fertigung von innovativen Produkten.“

Der im Herbst 2015 eröffnete Gebäudeverbund, der sogenannte „Pilotraum 4.0“, ist im Bereich Digitalisierung sehr weit fortgeschritten. Hier werden Industrie-4.0-Themen „live“ umgesetzt. Fertigungsdaten werden in Echtzeit erfasst und verarbeitet. Die papierlose Fertigung und zu  100 Prozent automatisierte Be- und Entladung von Anlagen wird mit kollaborativen Robotern umgesetzt. Die Steuerung aller Abläufe im neuen Reinraum erfolgt über Leitstände, die mehrere Systeme gleichzeitig überwachen. Hier wurde bereits ein erstes neues Jobprofil – der  Leitstandoperator bzw. Control Center Technician – eingeführt.

Hans Truppe koordiniert aktuell rund 40 Industrie-4.0-Teilprojekte. Positive Ergebnisse von Truppes Tätigkeit gibt es bereits einige: So wurde zum Beispiel die Zusammenarbeit von Entwicklung und Fertigung noch enger. Das bringt den Wettbewerbsvorteil, die „Time-to-Market“  entscheidend zu verkürzen. In einem „Virtual Development Lot“ kann schnelles Prototyping stattfinden: Ein Los wird automatisch virtuell gefertigt und mittels Datenanalyse wird im Vorfeld geklärt, ob alle Experimente, Prozesse, Materialien und Anlagenverfügbarkeiten für die  reibungslose Produktion parat stehen.

„Die Pilotphase ist bereits abgeschlossen und implementiert. Derzeit arbeiten wir am standortübergreifenden Rollout und der Weiterentwicklung der Software“, so Truppe.

Der Kärntner hat nach seiner HTLMatura Wirtschaftsingenieurwesen – Maschinenbau an der TU Graz studiert. In seiner Tätigkeit hat er umfassende Erfahrung im Bereich der Chipfertigung aufgebaut, seine Industrie-4.0-Kompetenz hat er sich unter anderem durch  berufsbegleitende Weiterbildung im digitalen Bereich erworben. Truppe ist sich sicher, dass „neue Berufsbilder entstehen“ – neue Jobprofile wie Data Scientist oder Roboter-Koordinator sind gerade in der Einführung. Auch in der Lehrausbildung und in der Werkmeisterschule fließt das Thema Industrie 4.0 ein: „Wir bauen unternehmensintern eine ‚Lehre 4.0‘ mit unseren eigenen Learnings aus den Pilotanlagen auf. Damit erhalten unsere Mitarbeiter und Lehrlinge bestmögliches Know-how aus erster Hand.“

Berufe mit Zukunft

Es werden mehr Fachkräfte als je zuvor in den Zukunftsfeldern der Elektro- und Elektronikindustrie gesucht. Treiber ist die Digitalisierung in der Industrie. In der Serie „Berufe mit Zukunft“ stellen wir Menschen vor, deren Berufe in Zukunft enorm an Bedeutung gewinnen werden.

Hans Truppe (48)

  • Job: Industrie-4.0-Koordinator
  • Ausbildung: Wirtschaftsingenieur Maschinenbau
  • Arbeitsort: Kärnten

Mag. Katharina Holzinger

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