Industrie 4.0: Lehre wird fit für die Digitalisierung

Fachkraft Industrie
Berufsbild im Wandel: Vom Zerspanungsmechaniker zum 3D-Drucker

Lehrberufspaket: Über 50 Ausbildungen in der Industrie sollen erneuert und fit für digitalen Wandel gemacht werden.
 

Bildung ist und bleibt der Schlüssel, wenn der digitale Wandel bestmöglich für Unternehmen und Beschäftigte genützt werden soll. Dies betrifft nicht nur höher ausgebildete Mitarbeiter, sondern auch Fachkräfte in der industriellen Fertigung. Einen wichtigen Beitrag, um industrielle Lehrberufe fit für die Digitalisierung zu machen, initiiert nun das Ministerium für Wirtschaft, Forschung und Wissenschaft (BMWFW): Bis 2020 sollen insgesamt 54 Lehrberufe modernisiert und neu ausgerichtet werden. Zudem profitieren Lehrlinge ab dem 1. Juli von kostenlosen Vorbereitungskursen vor der Abschlussprüfung und Gratis-Sprachkursen im Ausland.

„Bestehende Berufsbilder werden sich im Zuge der Digitalisierung massiv ändern. Daher ist das von Vizekanzler Reinhold Mitterlehner präsentierte Lehrberufspaket ein wichtiger Schritt, um Österreich fit für Industrie 4.0 zu machen“, so Lothar Roitner, Geschäftsführer des FEEI. „Da die Digitalisierung in allen Produktionsbereichen stattfinden wird, ist es besonders wichtig, auch die duale Ausbildung zukunftsfähig zu gestalten."

„In der industriellen Fertigung werden auch neue Berufe entstehen."

Lothar Roitner, Geschäftsführer des FEEI

„In der industriellen Fertigung werden auch neue Berufe entstehen. Wie diese genau aussehen werden, können wir heute noch nicht bis ins letzte Detail sagen, aber es wird mehr denn je auf Kreativität und naturwissenschaftlich-technisches Verständnis ankommen“, so Roitner.

Schon das Lehrberufspaket 2017 bringt acht neue bzw. modernisierte Berufsbilder. Davon geht die Hälfte direkt auf die Digitalisierung ein, um etwa den digitalen Verkauf oder den Einsatz digital gesteuerter Anlagen besser ausbilden zu können. In den nächsten Jahren werden weitere neue Lehrberufe und Ausbildungsordnungen folgen – von der neuen Glasverfahrenstechnik über die Informationstechnologie, die Installations- und Gebäudetechnik und den E-Commerce-Kaufmann bis zum künftigen Fahrrad-Mechatroniker oder Sportgerätetechniker.


Vom Zerspanungstechniker zum 3D-Drucker


Vor allem bei den 17 technischen Lehrberufen steht die Digitalisierung im Zentrum, daher wird auf den Kompetenzaufbau rund um Cloud Computing, Machine-2-Machine-Communication, additive Manufacturing, Netzwerktechnik oder Robotik großen Wert gelegt. Die Jugendlichen können in den Lehrwerkstätten mit 3D-Druckern, intelligenten Industrierobotern und mit Modellen von Produktionsstraßen arbeiten. So erhalten sie starken Praxisbezug zu Sensorik, Aktorik, Vernetzung und Datenübertragung und vertiefen ihr Wissen in diesen Bereichen.


Die organisatorische und technologische Komplexität im Arbeitsalltag nimmt unaufhaltsam zu, wodurch sich Berufsbilder ändern. Ein international tätiger Technologiekonzern hat im eigenen Haus fast 30 Berufe identifiziert, die einem massiven digitalen Wandel unterlegen sind. Ein Beispiel ist der Zerspanungstechniker, der bislang seine Vorgaben aus dem Entwicklungsbereich bekam und an den entsprechenden Stellen bohren und fräsen musste. Mit dem 3D-Drucker können nun aber Teile schon mit den entsprechenden Löchern produziert werden. Deshalb sollten Zerspanungsmechaniker künftig auch diese Technologie beherrschen. Heute lässt sich vieles schon im Vorfeld mit Simulationen übern, sodass weniger Fehler mit Protottypen gemacht werden.

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