2010 drängt erstmals eine nennenswerte Menge Absolventen von Bachelor- und Master-Studiengängen auf den Arbeitsmarkt. Mit der vorliegenden Broschüre stellen die beiden Fachverbände ihren Mitgliedsunternehmen eine kompakte und übersichtliche Information zur Verfügung, die die wichtigsten Fragen rund um Bachelor, Master und den Bologna-Prozess klärt. Gleichzeitig ist es dem FEEI ein Anliegen, das Thema differenziert zu betrachten und die öffentliche Diskussion, die in erster Linie von Kritik und negativen Aspekten dominiert wird, um positive Facetten zu bereichern. Anlässlich der Publikation wurde daher ein Spezialist mit viel Erfahrung, FH-Prof. DI Dr. Fritz Schmöllebeck, der Rektor der FH Technikum Wien, zum Expertengespräch gebeten. Seine Fachhochschule, ein Netzwerkpartner des FEEI, stellte als eine der ersten Bildungsinstitutionen sämtliche Studiengänge auf Bachelor- und Mastersystem um.
FH-Prof. DI Dr. Fritz Schmöllebeck, Rektor der FH Technikum Wien, über...
...den Bologna-Prozess:
Ich würde sagen, dass ich dem Prozess positiv gegenüberstehe und ich grundsätzlich auch viel Positives an diesem System sehe. Am Anfang hat man in erster Linie mit einer besseren Mobilität und Internationalität argumentiert sowie mit der Modularisierung der Studiengänge. Durch den Modulcharakter ist die Leistung – auch international – besser anrechenbar und das eben fördert die Mobilität. Das ist sicher auch ein wesentlicher Beweggrund dieses System europaweit einzuführen. Ich denke aber, dass es Vorteile gibt, die weit darüber hinausgehen. Diese liegen in den kürzeren Teilstudien und in der überschaubaren Studienzeit.
Sie ermöglichen ein Hinübergleiten eines Menschen aus der Erst-Studienphase in die Berufstätigkeit, um später möglicherweise ein Masterstudium anzuschließen. Das sehe ich als einen enormen Vorteil, insbesondere weil man die Wahl zwischen berufsbegleitenden und Vollzeitstudien hat. Diese Möglichkeit hat es vorher nicht gegeben.
...Skepsis und Vorbehalte insbesondere von Unternehmen und wie man diese abbauen könnte:Man muss mit den Firmen gemeinsam das Vertrauen zu den AbsolventInnen entwickeln.
Das heißt, man muss die Wirtschaft darüber informieren, was die Studenten aus Sicht der Hochschulen können. Denn die Information, die man aus den Medien erhält, ist eine plakativ-negative Haltung, die nur wenig über die Vorteile, gerade auch für Firmen, berichtet. Dazu muss ich sagen, dass nicht das ganze System schlecht ist, bloß weil es in dem einen oder anderen Bereich ein Problem gibt. Man muss die Sachlage professionell diskutieren und in manchen Bereich entsprechend anpassen. Außerdem gibt es das System erst wenige Jahre und möglicherweise ist die Kritik ein bisschen vorauseilend.
Gleichzeitig muss man dafür sorgen, dass die ersten Absolventen wirklich gut sind. Sie müssen wahrnehmbar brauchbare Fähigkeiten haben für die Wirtschaft.
...die Fähigkeiten von Bachelor-Absolventen:
Ich kann nur über unsere Studenten an der FH Technikum Wien sprechen: Diese Absolventen bringen technische Grundlagen für das Berufsfeld, in einer Vollständigkeit mit, die man für das Berufsfeld braucht. Sie haben sich in einem bestimmten Gebiet vertieft, sie sind Generalisten, keine Spezialisten. Ein Spezialist ist man erst nach einem Masterstudiengang. Und sie sind noch formbar für die Schwerpunkte im Unternehmen. Sie haben gelernt, wissenschaftlich zu arbeiten, und eine Methodik zu wählen und anzuwenden. HTL-Absolventen sind sehr anerkannt und akzeptiert. Die Kenntnisse und Fähigkeiten von Bachelor-Absolventen gehen sicher über das, was man in einer HTL lernen kann, hinaus. Ich verstehe daher nicht, warum Bachelor-Absolventen nicht einsetzbar sein sollten.
Selbstverständlich ist das Studium anders gestaltet als die bisher bekannten Diplomstudiengänge. Die Kritik, dass die Bachelor-Studenten zu wenig Fachwissen mitbringen, teile ich nicht. An technischem Fachwissen nimmt man nie genug mit, egal wie lange das Studium dauert. Denn was ich am Anfang gelernt habe ist am Ende zu 50% obsolet. Wir geben den Studenten die Fähigkeit mit, sich weiterzubilden, sich zu informieren, und Werkzeuge an die Hand, wie sie an Information kommen.
...und die große Stärke des Bachelor-Master-Systems:Davon abgesehen muss man ein neues Verständnis entwickeln: Mit dem neuen System kann man einen Bildungspfad designen, der einzigartig ist. Diese Kombinationsmöglichkeiten gab es vorher nicht. Ich plädiere dafür, die Bildungsbiographie in ihrer Gesamtheit zu betrachten.
Durch Kombination kann man einen Bildungspfad designen, der ist einzigartig, das gab es vorher nicht. Man nimmt etwas mit aus dem Studium, aber das löscht nicht alles, was man vorher gelernt hat, aus. Menschen sind unterschiedlich und alles, was man in seinem Leben gemacht hat, jeder Teil ist wichtig. So geht ein HTL-Absolvent mit technischen Fragestellungen anders um als ein Student, der ein humanistisches Gymnasium besucht hat. Dieser wiederum, geht z.B. mit Sprachen wieder anders um. Das gilt auch für die Auswahl von Master-Studiengängen, die ein wenig exotisch sind. Kann jemand mit einem Bachelor in Elektronik, anschließend einen Master in Biomedical Engineering absolvieren? Auf den ersten Blick möchte man das verneinen, hat die Person jedoch vor dem Studium zB: eine MTA-Ausbildung (Medizinisch Technischer Assistent) gemacht, ist das selbstverständlich möglich. Davon abgesehen sind Bachelor-Absolventen Akademiker, die sich auch selbst Wissen aneignen können. Mit den entsprechenden Unterlagen kann man die fehlenden Kenntnisse selbstständig erwerben, auch wenn es dann vielleicht ein Jahr Zeit dauert.
Die ganz große Stärke des Systems liegt in dieser Möglichkeit zur Kombination. Wenn wir wollen, dass der Bologna-Prozess lebt, dann müssen wir diese Kombinationen offensiv und aktiv fördern!
Die Fachhochschule Technikum Wien, ein Netzwerkpartner des FEEIMit über 3.200 AbsolventInnen und mehr als 2.500 Studierenden sowie derzeit 11 Bachelor- und 16 Masterstudiengängen ist die FH Technikum Wien die größte rein technische Fachhochschule in Österreich. Das wissenschaftlich fundierte und gleichzeitig praxisnahe Studienangebot ist vielfältig und individuell kombinierbar. Die Studiengänge werden in Vollzeit- und/oder berufsbegleitender Form sowie als Fernstudium angeboten. Neben einer qualitativ hochwertigen technischen Ausbildung wird an der FH Technikum Wien auch großer Wert auf Sprachausbildung sowie wirtschaftliche und persönlichkeitsbildende Fächer gelegt. Sehr gute Kontakte zu Wirtschaft und Industrie eröffnen den Studierenden bzw. AbsolventInnen beste Karrierechancen. Die FH Technikum Wien wurde 1994 als erste Fachhochschule Wiens gegründet und ist ein Netzwerkpartner des Fachverbandes der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI).